Fachanwalt

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Fachanwalt

Definition Fachanwalt, § 43c Absatz 1 Satz 1 BRAO
Dem Rechtsanwalt, der besondere Kenntnisse und Erfahrungen in einem Rechtsgebiet erworben hat, kann die Befugnis verliehen werden, eine Fachanwaltsbezeichnung zu führen.


Ein Fachanwalt ist ein Rechtsanwalt, der auf einem bestimmten Rechtsgebiet oder mehreren bestimmten Rechtsgebieten besondere Kenntnisse und Erfahrungen durch eine Ausbildung erlangt hat, vergleiche die Vorschrift des § 43c Absatz 1 Satz 1 der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO).

Wer darf sich Fachanwalt nennen?

Nicht jeder Rechtsanwalt darf sich als Fachanwalt bezeichnet, notwendig ist vielmehr eine Genehmigung zum Führen der Fachanwaltsbezeichnung. Die Berechtigung wird von der Rechtsanwaltskammer verliehen, nachdem der Rechtsanwalt einen entsprechenden Antrag gestellt hat. Über den Antrag des Rechtsanwalts auf Erteilung der Erlaubnis entscheidet der Vorstand der Rechtsanwaltskammer, nachdem ein Ausschuß der Kammer die von dem Rechtsanwalt vorzulegenden Nachweise über den Erwerb der besonderen Kenntnisse und Erfahrungen geprüft hat.

Nach § 43c Absatz 1 Satz 3 der Bundesrechtsanwaltsordnung kann ein Rechtsanwalt nicht mehr als drei Fachanwaltstitel führen.

Wie wird man Fachanwalt?

Nach § 43c Absatz 1 Satz 1 BRAO darf sich nur derjenige als Fachanwalt bezeichnen, der besondere Kenntnisse und Erfahrungen in einem Rechtsgebiet erworben hat. Voraussetzung für die Verleihung einer Fachanwaltsbezeichnung ist eine dreijährige Zulassung und Tätigkeit innerhalb der letzten sechs Jahre vor Antragstellung.

Die genaueren Anforderungen regelt die Fachanwaltsordnung (FAO). Nach § 2 der Fachanwaltsordnung hat der Antragsteller für die Verleihung einer Fachanwaltsbezeichnung besondere theoretische Kenntnisse und besondere praktische Erfahrungen nachzuweisen. Besondere theoretische Kenntnisse und besondere praktische Erfahrungen liegen vor, wenn diese auf dem Fachgebiet erheblich das Maß dessen übersteigen, das üblicherweise durch die berufliche Ausbildung und praktische Erfahrung im Beruf vermittelt wird. Die besonderen theoretischen Kenntnisse müssen die verfassungs-, europa- und menschenrechtlichen Bezüge des Fachgebiets umfassen.

Der Erwerb besonderer theoretischer Kenntnisse setzt in der Regel voraus, dass der Antragsteller an einem auf die Fachanwaltsbezeichnung vorbereitenden anwaltsspezifischen Lehrgang teilgenommen hat, der alle relevanten Bereiche des Fachgebiets umfasst. Die Gesamtdauer des Lehrgangs muss, Leistungskontrollen nicht eingerechnet, mindestens 120 Zeitstunden betragen. Der Antragsteller muss sich mindestens drei schriftlichen Leistungskontrollen (Aufsichtsarbeiten) aus verschiedenen Bereichen des Lehrgangs erfolgreich unterzogen haben.

Der Erwerb besonderer praktischer Erfahrungen setzt voraus, dass der Antragsteller innerhalb der letzten drei Jahre vor der Antragstellung im jeweiligen Fachgebiet als Rechtsanwalt persönlich und weisungsfrei dem Rechtsgebiet entsprechende Fälle in nach der Fachanwaltsordnung festgelegter Anzahl bearbeitet hat.

Welche Fachanwälte gibt es?

Fachanwaltsbezeichnungen können gemäß § 43c Abs. 1 Satz 2 Bundesrechtsanwaltsordnung für das Verwaltungsrecht, das Steuerrecht, das Arbeitsrecht und das Sozialrecht verliehen werden. Weitere Fachanwaltsbezeichnungen können für das Familienrecht, das Strafrecht, das Insolvenzrecht, das Versicherungsrecht, das Medizinrecht, das Miet- und Wohnungseigentumsrecht, das Verkehrsrecht, das Bau- und Architektenrecht, das Erbrecht, das Transport- und Speditionsrecht, den gewerblichen Rechtsschutz, das Handels- und Gesellschaftsrecht, das Urheber- und Medienrecht, das Informationstechnologierecht, das Bank- und Kapitalmarktrecht, das Agrarrecht, das Internationale Wirtschaftsrecht, das Vergaberecht sowie das Migrationsrecht verliehen werden, siehe § 1 der Fachanwaltsordnung.